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Der Fürstenhof

Geschichtliches

Der Fürstenhof im SommerIch habe das 1775 errichtete landschaftliche Gutshaus, das im Volksmund Fürstenhof (Sitz des Herzogs Franz Erdmann und nach ihm als Witwensitz seiner Frau Hedewig Sibylla) heißt, im Mai 2003 erworben. Aus geschichtlichen Schriften des Archivs des Denkmalamtes ist zu entnehmen, daß der Fürstenhof erstmalig 1248 erwähnt wurde. Ob am heutigen Standort des Fürstenhofes oder in der Nähe - es gab eine Vorgängerbebauung, die nicht näher erforscht, aber möglicherweise schon im Mittelalter entstanden ist. Ob diese zwischenzeitlich abbrannte oder aus anderen Gründen neu errichtet wurde, ist nicht bekannt. Aus der Inschrift über dem Portal und dem Baustil ist nach Einschätzung der Bauforschungsabteilung des Landesamts für Denkmalpflege zu schließen, daß das Haus in der jetzigen Form aus dem Jahre 1775 stammt.

Zwischenzeitlich gehörte das Gelände zum Gut Tüschenbek und damit u.a. den von Wackerbarths bis 1788. Der Hof wechselte bis heute mehrfach seinen Besitzer. Hierzu zählten ab 1788 v. Brömbsen, Steinfeldt, v. Bietinghoff, Frisch, v. Thilow, Grotjahn, Kunze, Scheffel, ab 1838 die Gebrüder v. Gundlach aus Dresden, (Angabe aus Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebiets der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck von Johannes v. Schröder und Hermann Biernatzki, erschienen 1855). Carl von Gundlach verkaufte dann 1871 an den Mustiner Kaufmann Friedrich Frahm. 1929 erwarb der weichende Erbe eines landwirtschaftlichen Betriebes aus Dissau, Hans-Friedrich Wehde den Hof von Karl Frahm, dem Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Gr. Grönau. Karl Frahm hatte neben der Landwirtschaft vor allen Dingen aus dem Abbau von Kies Vermögen erworben, dieses jedoch in der Weltwirtschaftskrise wieder verloren. Hans-Friedrich Wehde machte die Kiesgruben wieder landwirtschaftlich nutzbar und wirtschaftete auf dem Hof als Landwirt. Nebenbei machte er sich einen Namen als Kaltblut-Züchter. Aus mir nicht bekannten Umständen erlitt der Hofnachfolger Asmus Wehde, der bereits als 16-jähriger aufgrund eines Verkehrsunfalles mit Todesfolge seines Vaters Hoferbe wurde und den Hof mit Erreichen des fünfundzwanzigsten Lebensjahres übernahm, wirtschaftliche Probleme. Aus diesem Grunde verkaufte er Bauland, auf dem nunmehr die Häuser stehen, die zur Straße Am Fürstenhof zählen. Den Baumaßnahmen fielen 1976 auch der Schweinestall, die Schmiede und kleine Nebengehöfte zum Opfer. Der Kuh- bzw. Pferdestall, der auf einigen alten Aufnahmen als Fachwerkgebäude zu sehen ist, war bereits einige Jahre vorher abgebrannt. Somit steht heute von dem ursprünglichen Hof nur noch das Herrenhaus, in dem die Rechtsanwaltskanzlei ihren Sitz hat und die zudem privat bewohnt wird. Der letzte Eigentümer, der Malermeister Manfred Krause, der dieses Haus 1974 von dem Voreigentümer, dem Landwirt Asmus Wehde erworben hat, nutze den Hof nicht mehr landwirtschaftlich. Anders war es bei den vorherigen Besitzern. Damals maß die landwirtschaftliche Fläche 94 ha.

1985 stellte das Landesamt für Denkmalpflege den eingeschossigen Backsteinbau mit Mansarddach unter Denkmalschutz. Im Frühsommer 2003 begannen ausführliche Voruntersuchungen zur Sanierung und zum Umbau des Gebäudes zu einer Anwaltskanzlei sowie einer Wohnung.

Sanierung

Der Fürstenhof im WinterDer Sanierung ging ein verformungsgetreues Aufmaß des Denkmalpflege-Technikers Stefan Lorenz voran. Dies bildete die Grundlage für die Umbauplanung des Lübecker Architekturbüros Schröder-Berkenthin. Im Rahmen einer restauratorischen Befunduntersuchung durch die Restauratorin Eileen Wulff wurden historische Ausstattungen und Farbigkeiten ermittelt. Lange blieb rätselhaft, welche Dacheindeckung das Wohnhaus ursprünglich hatte. Durch ein älteres Foto von 1904 konnte schließlich eine Holzschindeleindeckung festgestellt werden. Dieses ist für Profanbauten in unserer Region eher untypisch. In Einzelfällen haben bzw. hatten Kirchtürme eine solche Eindeckung. Da eine Neueindeckung mit Holzschindeln nicht realisierbar erschien, wurde das Dach mit Zitanzink in Rautendeckung eingedeckt, die in der Farbe und Struktur dem vormaligen Eindeckungsmaterial nahe kommt. Zwei neuzeitlich Anbauten wurden abgerissen und somit der Ursprungsbaukörper wieder freigestellt. Anstelle der gestalterisch unbefriedigenden Dachflächenfenster sind rückwärtig zwei große historischen Gauben rekonstruiert worden, weiterhin auch die kleineren Gauben auf der oberen Dachfläche. Neu hinzugekommene Bauteile, für die es keinen historischen Beleg gab, wie z.B. die rückwärtige Eingangstür, sind modern gestaltet. Die Zufahrt zum Gebäude erfolgt - wie früher - von der Grönauer Hauptstraße (Bundesstraße B 207) und gibt damit dem Gebäude einen Teil seiner historischen Bedeutung zurück.

Im Innern ist die ursprüngliche Raumgliederung weitestgehend wieder hergestellt und noch vieles der spätbarocken Ausstattung wie die Treppe, Holzfußböden, die Innentüren, der Kellerkasten und der Fußboden mit Gotlandplatten erhalten worden.zurück.

Die Arbeiten begannen im August 2003, nachdem die Vorbesitzer Mitte Juni 2003 ausgezogen waren. Anschließend fanden Verhandlungen mit verschiedenen Architekten und den zuständigen Denkmalbehörden statt. Begonnen wurde mit dem Abriß der bereits benannten Anbauten sowie der kompletten Entkernung. Dabei wurden sämtliche Wände, die nicht der ursprünglichen Raumaufteilung dienten, entfernt, alle Tapeten von Wänden und Decken abgenommen, um Lehmwände und Stuckdecken freizulegen. Dann wurden sämtliche Fußbodenbelege, soweit sie nicht historisch waren, aufgenommen, entfernt und soweit möglich saniert. Schließlich wurde die Eterniteindeckung (450 m²) abgenommen und vorschriftsmäßig entsorgt. Die vorgenannten Arbeiten habe ich größtenteils selbst oder jedenfalls mit ausgeführt, was mir neben meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und der Rolle als Familienvater nicht immer leicht gefallen ist. Diese größtenteils körperliche Arbeit hat mir aber stets Freude bereitet, war doch das tägliche Schaffen eher sichtbar als die Arbeit am Schreibtisch als Rechtsanwalt. Außerdem empfand ich es als sehr wichtig, insbesondere bei der Freilegung und „Entsorgung“, möglichst permanent vor Ort informiert zu sein. Denn leider hätte die Unbesonnenheit einzelner Handwerksgesellen schnell zu nicht zu behebenden Schäden führen können. Diese Gefahr war manchmal zum Greifen nahe.

Im Oktober 2003 begannen die Zimmerleute der Firma Groth & Ramm aus Lübeck mit der aufwendigen Sanierung des Dachstuhls. Da dieser seinerzeit nur für ein Holzschindeldach ohne Dämmung ausgelegt war, mußten hier in großem Maße Verstärkungen vorgenommen werden, was aufwendiger statischer Berechnungen bedurfte. Diese wurden von dem Statikerbüro Kröger & Steinchen aus Lübeck begleitet. Diese Maßnahmen zogen sich über einen Zeitraum von fast drei Monaten hin. Parallel wurde im gesamten Haus damit begonnen, die alten Reetputzdecken und den Stuck auszubessern beziehungsweise zu erneuern. Außerdem wurden, wo vorhanden, die alten Lehmputzwände neu mit Lehm verputzt. Nachdem die Sanierung des Dachstuhls abgeschlossen war, begannen die Zimmerleute mit der Sanierung der Deckenbalkenlage zwischen dem Erdgeschoß und dem 1. Obergeschoß. Auch hier waren umfangreiche Arbeiten notwendig, die anfänglich nicht erkannt worden waren und für mich damit überraschend kamen. Aufgrund der maroden Dacheindeckung waren hier starke Feuchtigkeitsschäden entstanden. Diese waren zum Teil jedoch schon sehr alt und legten Zeugnis ab für ältere Wasserschäden. Nach dem Abschluß der gesamten Zimmererarbeiten wurde das Dach einmal komplett verschalt, danach eine diffusionsoffene Bahn aufgetragen und eine zweite Sparschalung aufgesetzt. Diese aufwendige Konstruktion war notwendig, um eine fachgerechte Belüftung des Titanzinkschindeldaches zu gewährleisten. Die ausführenden Dachdeckerarbeiten durch den Dachdeckerbetrieb Cavier & Söhne begannen Anfang Mai 2004 und zogen sich über drei Monate hin.

Parallel wurde die alte Auffahrt zur Bundesstraße B 207 wieder hergestellt. Für den Ausbau im Erdgeschoß konnten durch Zufall historische Öland-/Gotlandplatten erworben werden, um in der Diele fehlende Flächen zu ergänzen. Die alten Kellerfenster, die vormals durch Glasbausteine ersetzt worden waren, wurden in Anlehnung an die historische Bauweise in Stahl ersetzt. Im 1. OG wurden zwei Gauben, die ursprünglich dort vorhanden waren, in Anlehnung an die alte Bauweise rekonstruiert. In den 70iger Jahren waren Veluxfenster eingesetzt worden, die nunmehr entfernt sind. Die gesamte Außenhaut im 1. OG und im DG wurde/wird mit einer Isoflock-Dämmung ausgeblasen. Die gesamte Elektrik (Lichthaus Querfurth aus Lübeck) und die Heizungsanlage (Firma Uve Scharnweber aus Lübeck) wurden erneuert. Im Keller wurde eine Gas-Brennwerttherme installiert. Die Schornsteinköpfe wurden saniert und mit Edelstahlabdeckungen zum Schutz versehen.

Wo im Erdgeschoß zwischenzeitlich neuzeitliche Fenster eingebaut worden sind, wurden diese durch Fenster ersetzt, die dem vorhandenen Fensterbestand entsprechen und damit einem einheitlichen Äußeren dienen. Im 1. OG waren Vorsatzfenster vorhanden. Im EG sind diese fast in allen Räumen eingebaut worden. Die nicht mehr vorhandene zweiflügelige Außentür zur Westseite wurde durch eine neue ersetzt (Tischlerarbeiten Möbeltischlerei und Innenausbau H. Blöß, Inh. Rüdiger Hartung aus Klein Barnitz). Die Sanierung ist seit 2006 im Wesentlichen abgeschlossen.

Dr. Boris Lau, Groß Grönau

Rechtsanwälte Dr. Lau & Backhaus
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